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Bilshifa Effendi, Bezähmer des Stahls


Förderungsschreiben von Grossvezier Rereshqala zu Händen des kalifischen Schmiedes Bogos.


Nachdem Ihr doch nun schon einige Monde bei uns im Palast in Tikon weilt, und unsermeiner Weniglichkeit nur Eurer gepriesenen Ehre entsprechendes berichtet wurde, nachdem es uns gelungen ist, Euch eine wohlgemütliche Gemächlichkeit, unweit Eures Arbeitsplatzes bei den Ställen zur Verfügung zu stellen, nachdem wir Eure vor eingehender Testung brilliant schimmernden und neuerlich gebogenen Klingen aufs vortrefflichste bewundern durften, ja, nach all diesen schönen Ereignissen wurde uns berichtet, Ihr würdet Euch ob all der schönen Stunden langweilen. Nun nichts liegt uns ferner, als Euch in der Perle unseres Kalifats griessgrämig die wohlgelittene Sonne anzusehen zu sehen.

Deshalb kam unsermeiner, ich darf schon sagen vielsäglich für Ihren Turban bewunderten, Weniglichkeit die Idee Euch ein erweitertes Betätigungsfeld zuzuweisen, da doch momentan und überhaupt immer öfter fast kein Bedarf an tikonschen Waffen besteht. Das soll nun nicht etwa wenigsagend beweisen, Ihr hättet in letzter Zeit nur auf der faulen Haut gelegen, nein, beim Barte des Tschaanz, nichts liegt uns ferner als das. Nein, es soll lediglich heissen, dass wir, also die wohl hoffentlich bald vereinigte, schwächlich standhafte aber dauerhaft bevormundete Kalifigkeit, ihre vortrefflich bunte, und gerade deshalb lieber ungeschmückte, prinzessliche Schwesterei und wir, unsermeine Weniglichkeit Grossvezier Rereshqala, Schirmherr des Staatsschatzes und vieler andererbeachtenswerten Sachlichkeiten, beschlossen haben, Euch auch das von vielen erstrebte, aber doch nur an einen vergebene, hochwohldotierte Amt, des kalifisch rechtmässigen Möbelschreiners zu verleihen.

Denn wie Ihr wisst, ist es uns ein Anliegen, dass die Steuern, die die oberen vierhundert von Tikon in Form ihrer ausrangierten Möbeleien und anderer, für sie, Unnützigkeiten, bei uns entrichten, wohl bald in Stand und dann auf den Markt gestellt werden. Im Rahmen einer generell, von meinen vortrefflichen Mitvezieren begut- und auch für gut beachteten Begutachtung, kam nämlich ans Licht der Öllampe, dass unsere gegenwärtige Liquiditätskrise auf das Fehlen eines kalifischen Möbelschreiners zurückzuführen sei, der durch seine Reparatur all der tollen Schemeleien, Truigkeiten und anderer Abstellflächen den Preis des Gutes ganz gehörig erhöhen könnte.

Wir haben also beschlossen, Euch, den vielbegabten Bogos nicht mehr nur als Schmied vergammeln zu lassen, nein, Euch auch so zu aller Wohle, das uns ja ganz besonders am Herzen liegt, einzusetzen. Wir empfehlen Euch desweiteren, im Rahmen einer fundierten Ausbildung beim berühmtgewürdigten Professor Van Dannen vorzusprechen, damit er Euch seinen Sammelband, 'Von der Tikonschen Schreinerskunst - Betrachtungen zu einem palmig gewachsenen Handwerk - einst, mittlerweile und heute' ausleihe.

Damit verbleiben wir, gewiss, überzeugt sein zu dürfen, Euch, uns und nicht zuletzt allen einen Dienst erwiesen zu haben.

Unsermeine Weniglichkeit Grossvezier Rereshqala
Tikon, im Frühsommer des Jahres 25 GT



Geschrieben von folini; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002