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SCHWEBULAT'UR

Von dem neuen Stadtplan


Ein Stadtrundflug von Merëus und Jeslin Bleistängl


Mir Merëus dem unbestechbaren Daktör der Wandzeitung gegenüber vom Pelast ist die Benützung der wundersamen Schwebula anvertraut. Seit etlich Monden wird sie im Vogelhaus (das neben andern Schreinen und Skulpturen Allro, dem Gott der Künste gewidmet ist) aufbewahrt, bis ich sie von Gardisten heraustragen und mit heisser Luft füllen lasse. Als Begleitung lud ich auch diesesmal den flinken Zeichner Jeslin Bleistängl und eine Heilkundige aus dem CareTempel ein; als Ergebnis von drei sonnenerfüllten Tagen, wo wir kreuz, längs und quer über die TikonStadt schwebten, haben wir nun eine sehr genaue Mapa der Luxperle wie sie als Dächeraufsicht genau von oben alle unbeweglichen Einrichtungen und Bauten zeigt.

Lasset mich dazu zahlreiche Erklärungen liefern: Der tiefstgelegene Ort in der Umgebung ist natürlich beim Zusammenfluss von Li-Fluss und Repissbach. Der grosse Weidensumpf, wohin das Wasser unter der Mauer hindurch aus dem Gesindeldrittel sickert, ist ebenso flach wie die Äcker und Plantagen auf der Nordseite, die an den Gloozologischen Garten anschliessen. Beim breiten Weg, der die Längsachse der Stadt markiert, beginnt das Gelände dann leicht anzusteigen, nicht gleichmässig, sondern in flachen Stufen, mit Böschungen und teilweis auch künstlichen Hügeln, wie sie im Villendrittel aufgeschaufelt wurden. Jedenfalls starten wir vom höchstgelegenen Platz innerhalb der Mauern, eben im Winkel hinterm TsuffàhlTempel. Ich bin froh, dass wir nach dem stundenlangen Hüllenfüllen endlich abheben, denn alle sind von den süssen Duftschwaden hier schon ganz beduselt: es sind kaum die reifen Birnen am ewiglangen Spalier an der Trennmauer, sondern die Zuckerkonzentrate aus dem Honighof, wo Neusiedler unter Vordachplanen ihre Glasuren und Schölees kochen. Die etwa zwei Dutzend Wandler leben in gesetzlich befohlener angepasster Gestalt seit drei Jahren hier und verwöhnen uns alle mit Naschereien aus knusprigem Teig, allerlei Früchten und Mus und vorallem Kremen und Honigguss. (Aus mir unbekannten Gründen weigern sie sich einzig, den Rübenzucker aus der früheren Vogtei Hornfels zu verwenden..) Wir verharren in der Schwebula einige Zeit über dem Tempelvorplatz, dessen nach der Göttin Prinzip verschiebbare Stufen auf den bunten Souk hinabführen. Hier ist ja von zeitzuzeit der Kleintiermarkt; dann hocken hier viele Kinder und lauschen dem vielrassigen Blökkonzert - die Bodenmänner lassen die Halteleinen erst los, nachdem wir das versprochene Bakshish hinabgeworfen haben...

Nach den Dekreten Unseres Regenten wurden im Mitteldrittel zahlreiche Blumenbeete, Rabatten mit rotblühenden Büschen und sowohl springende wie gewöhnliche Brunnen angelegt. Ich schlage dem Jeslin vor, dass er die monatlich umgestalteten und frisch bepflanzten Beete auf der Mapa so als L-förmige Linien andeute, die Brunnen als kleine Vierecke oder Kreise und auch die markanten Bäume und Palmen als kleine Kringel. Aus etwa 70 Metern Distanz erhaschen wir einen Blick auf den runden PelastTurm: seine Stellung zeigt uns etwa 9 Uhr im Morgen an. Wir treiben oder rudern hinüber zum Platz der Löwen: er ist nach dem Abriss der Drechslerhäuser so gross, dass Viergespanne mit Lediwagen oder Kutschen gleichzeitig kreuzen und wenden können, wenn sie den aufgemalten gelben Spuren folgen - sogar ohne die hellroten Jatekarren zu behindern: diese tscheknische Erfindung von Herzog Angus ist immer wieder loblich zu erwähnen! Vom südlichen Hügel lässt man die flachen Dreiachser mit den stabilen Seitenwänden in Dreiergruppen an langen Seilen hinabrollen, durch die Mauer, entlang der Brennenden Gartenallee bis zum Warenumladeplatz; beim Hinaufhaspeln dürfen alle Einwohner ihren Abfall in die Karren werfen, er wird dann in der vernachlässigen Gnomensiedlung sortiert und entsorgt.

Beim Zurückschauen sehen wir, dass die falsche Front der Kaserne von der StaPaWa wiedermal frisch getüncht wurde: in schamlosem Grau! Es ist ja die wuchtige Kulisse von zwei bauchigen Türmen mit Eingangstor, aber nur eineinhalb Handspannen dick - soll einen wehrhaften Eindruck erwecken bei Besuchern der Stadt, die man mit grosser Vorliebe (für den Unsrigen Regenten und seine durchsätzliche Kaschierbarkeit!) auf einem ersten Rundgang hier entlangführt. Verständlich, dass Gloozi Ben Noën die veranschlagten Baukosten eines echten Bollwerks lieber in andere Schwelgereien fliessen liess! Wir biegen über den Stoffelweg ein und sollten noch etwas an Höhe gewinnen; die meisten Wohnhäuser sind ja nur zwei Geschosse hoch, mit Holzvorbauten, oder dann mit verstrichenem Lehm und Flachdach (ich erinnere mich an eine Notlandung hinter der grössten Kuppel im Dichten Quartier - das war eine Aufregung! all die unbekleideten sonnenbadenden Haremsdienerinnen..) Der dreieckige Häuserkomplex der Schneider wurde durchgehend neu gedeckt; ich wusste gar nicht, dass hier zur Hälfte dicke Glasscheiben aus Mondrun eingesetzt wurden! Das bringt gewiss viel mehr Oblicht auf die grossen Tische in der Nähhalle.


Geschrieben von habakuk; zum letzten mal bearbeitet von habakuk am 30 Nov 2002