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Leset Ibn Ohnvkls Logbuch in dem er rapportiert über

Kapitel Aussenmission: Die Gründung der freien Handelsstadt Zinsheym


er Unsicherheit zum Opfer fallen Ort und Zeit, wiewohl man annehmen darf, es betrug sich zum LeoCon VIII, dass jenes Kontor enstand und noch so manch anderes


p>Logbuch des tikonischen Kontors zu Zinsheym

irgendwann zur Zeit der Regentschaft des hochwohlgeborenen Erfinders des edlen Hutes
Kontorleiter Ibn Ohnvokl al Tuman

Es reisen mit:
Lessing Ham - fanatischer Süsswarenbäcker
Mustapha Hebschrasch - Teppichhändler und ausgekochter Wüstensohn
Ibrahim ben Ferashil ibn Id - Ehemann und Spezereienhändler
Semira Arsenia Klingonia Ferashil - seine Frau und Alptraum
Kaschmir ben Wak Wak - Schreibwarenhändler, Buchbinder und Förderer der Wanderpfeife
Johron ben Hadz - Vielhändler
Ibn Ohnvokl al Tuman - Händler und derjenige welcher
Fathme - unersetzliche Dienerin und loyales Schlitzohr
Habib - Kameltreiber und Schenkenschreck
Ysaf dul Halassa - Akhrani, Orktöter und selber Toter
Realdor Dhan - Wächter, Stadthauptmann und ?Straight Man"
Himal - Nordfrau, Karawanenwächterin und Vize-Hauptman der Garde
Talon - Karawanenwächter und Tuans Kumpel
Terok - Informationshändler, Elf und Glückspilz
Luderich - Kamelzüchter des Regenten mit unmöglichem richtigem Namen

Unvermutet tauchen auf:
Tuan de Uruloki - Rübenbauer, Ex-Vogt und Metalltürmchen
Fath al Error - Tikonischer Eilbote und Arschzwiebelavantgardist

Das tikonische Kontor

1. Tag
Das reisen mit Mustapha Hebschrasch kann sehr eintönig sein. Der Mann kann tagelang über Teppiche reden. Doch nun ist es Abend und wir sind in Zinsheym, einer kleinen unvollendeten Stadt im Herzen Cer-Teluriens, angekommen. Hier bessert sich meine Laune nur unwesentlich - Ferashil und ben Wak-Wak sind noch nicht hier und mit ihnen unser Zelt auch nicht. Der Schreck mag wohl Mustapha zum Schweigen bringen, doch müssen wir uns wohl oder übel in der etwas schäbigen Spelunke ?zum Heldenhorst" einquartieren. Hier hat sich schon unsere Wachmannschaft breit gemacht.


2. Tag

Mustapha

Ich wache tatsächlich in unserem Zelt auf. Pünktlich nach Sonnenuntergang haben zumindest Ibrahim und Kaschmir den Weg zu uns gefunden.

Das Unvorstellbare ist eingetroffen. Da hat sich doch der Wirt des Heldenhorstes, Anhänger einer obskuren Göttin namens Promilla, tatsächlich die Dreistigkeit erlaubt, den Wert des Tumans in Zweifel zu ziehen. Schlimmer noch, er hat sich geweigert, die Münzen, welche unter dem Diktat des Erfinders der Rechtschreibe höchsteigens gefertigt werden, anzunehmen. Dieser Stadt muss man eine Lektion erteilen. Zum Glück haben meine Handel- und Kamel-treibenden Kollegen und ich ein wenig Wechselgeld mitgenommen, einen Nottuman sozusagen. Von nun an wird geprasst, dass die Börsen wackeln.

Es wird die erste Bürgerversammlung einberufen und sogleich der Regierungsstil des selbst eingesetzten Stadtrates offenkundig. Es scheint, als wäre das System darauf ausgelegt, möglichst wenigen möglichst viel Macht zu verleihen; darüber kann auch das hauchdünne Deckmäntelchen der Volksmitbestimmung nicht wegtäuschen. Die Stadt ist in den Händen von Bürgermeister Weber und seinem Sohn Edmund.

König Joshua der ebenfalls Blonde besucht Zinsheym und übergibt dem neu gewählten Bürgermeister Weber den goldenen Schlüssel zur Stadt. Ein bewegender Moment, der jedoch nicht an die perfekt auf die Bedürfnisse des Volkes zugeschnittenen Auftritte unseres wohlverdienten Regenten heranreichen kann.

OrkÜberfall. Es ist eine wahre Schande, dass die Stadtwache, wenn er denn mal da ist, sogleich niedergemetzelt wird und wir unser teures Personal riskieren müssen, um die Stadt und unser Zelt zu retten! Und siehe da, es kommt auch tatsächlich eine der Wachen ums Leben, so dass sich Mustapha gezwungen sieht, selber mit gezücktem Krumsäbel am Waldrand herumzustreunen. Zum Glück wird er nicht angegriffen.

Unverhofft taucht eine uns bekannte Gestalt aus dem Wald auf. Tuan de Uruloki, ein Ex-Vogt auf Abwegen. Doch im Moment ist er sehr willkommen, da er sich bereitwillig, furchtlos und ohne einen Tuman zu erwarten in die Schlacht gegen die Orks stürtzt und auch weiterhin unser Zelt bewachen will.

Um unsere arg gelichteten Wachmannsreihen etwas aufzufüllen, stelle ich einen Nordmann vom ?Ratshauskeller" ein, um im Notfall auch unser Kontor zu beschützen. Der Mann erweist sich als sehr nützlich.

Am Abend. Zu Ehren unseres geschätzen Tuan und aufgrund unseres Planes, möglichst viel Geld zu verprassen, habe ich den Ratshauskeller gemietet. Nun sitzen alle Händler, Wachleute, politischen Verbündeten und auch unsere treu ergebene Dienerin zu Tisch und lassen es sich bei Speis, Trank und Gaukeleien gut gehen. Nebenbei fliesst einiges an Tumans in die Taschen der Gebrüder Stern, welche dieses ausgezeichnete Lokal führen.

In der Nacht wird die Stadt von seltsamen Vampyren angegriffen. Diese schlauen Kerle benutzen Zahlencodes, um ihre Kampftaktik gegenseitig abzustimmen. Doch Zinsheym hat Glück im Unglück, denn es scheint ein mächtiger Magier in der Stadt zu sein. Niedergknüppelt am Boden liegend und mit einem Guhl ringend sehe ich noch, wie die Vampyre vor einer unscheinbar gewandeten Gestalt zurückweichen, welche ihnen ?drei Tage Sonnenlicht" in einem Blitz entgegenschleudert - das habe ich doch schon einmal irgendwo gesehen.

Der bewaffnete Teil der Bevölkerung, der auf einmal sprunghaft angestiegen ist, stürtzt sich in Vierer- und Fünfergruppen auf die Untoten und schaffen es denn auch, einigen von ihnen den Kopf abzutrennen.

Als ich zum Zelt zurückkomme, ist es ziemlich still, das Vordach ist nach unten geklappt. Später erklärt mir Ibrahim, sie hätten mit dem Wasser, dass sich auf dem Vordach gesammelt hat, einen Vampyr vertrieben. Um sicher zu gehen, dass wir uns morgen auch wehren können, gehen wir in den ?Heldenhorst" und besorgen uns zwei Flaschen bestes ?Weihbier".

Am Rande. Es zeigt sich immer wie mehr, dass die regierende Stadtclique, allen voran Bürgermeister Weber und sein Sohn, nicht sonderlich fähige Leute sind. Hier muss sich was tun.

3. Tag
Früh morgens. Ein schriller Schrei weckt die ganze Stadt. Es ist die liebreizende Frau Ferashil, welche einige Zeit später mit Ibrahim unter dem Arm quer durch die Stadt getrampelt kommt. Die Zeit der Ruhe, der geschmackvollen Kleidung und des sorglosen Lebens ist vorbei. Zur selben Zeit treffen auch der Oberkamelzüchter unseres Turmes der Gerechtigkeit, sowie ein tikonischer Eilbote Namens Fath al Error ein, letzterer hat eine Nachricht für mich: ?Bilshifa. Wir werden ein wenig später eintreffen. Ibrahim & Kaschmir". Ich kann mir nicht helfen, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass es in Tikon nur einen einzigen Eilboten gibt.

Skandal. Um den Tolar zu schützen, beschliesst der Rat, einen Münzmeister einzusetzen und ihm ein Präge- und Tauschmonopol zu übertragen, welches er ?im Sinne der Stadt Zinsheym" zu gebrauchen hat. Sogleich wird der Tuman aufs frechtste durch den Schlamm gezogen und entwertet. Einzig der ?Ratshauskeller" stemmt sich gegen diese Auswüchse einer offensichtlich wild gewordenen Stadtregierung. Es muss sich was ändern.

Realdor lernt schnell. Um uns in unserem Kampf gegen den unfähigen Weber-Clan zu unterstützen, beschliesst er, sich den Posten des Hauptmannes der Stadtwache zu angeln. Er fragt uns an, ob wir ihn beim Turnier, dessen Sieger den Posten übernehmen soll, unterstützen würden, er benötige einige Tumans, um gewissen Leuten gewisse Dinge zu bezahlen. Unsere Antwort lautet selbstverständlich Nein. Nach einigen harten Worten in sein Gewissen sieht auch Realdor das Unrecht seines Vorhabens ein und beschliesst, auf ehrliche Weise Hauptmann zu werden. Dies gelingt ihm auch, obwohl andere Konkurrenten nicht so viele Skrupel zeigen. Zum Glück trinkt der Falsche das vergiftete Bier, ist kein Bogenschütze in der Stadt und erwischt des Priesters Fluch aus versehen unseren Elfen und nicht unseren Hauptmann.

In den Sterns, den Eigentümern des ?Ratshauskellers", haben wir exzellente Mitstreiter gefunden, die sich mit Leib und Seele für den Tuman einsetzen. An der Bürgerversammlung fordern sie lauthals die monetäre Gleichstellung mit dem Tolar. Unter dem Druck der Bevölkerung beschliesst der Rat, dass von nun an auch der Ratshauskeller die Erlaubnis habe, Währungen zu tauschen und einen eigenen Kurs fest zu setzen. Damit ist das Monopol des Münzprägers und seiner Bande von Bleigiessern gebrochen.

Um einige unserer Unkosten zu decken, beschliessen wir, der Stadt Zinsheym eine Rechnung zu stellen. Für den Einsatz unserer Wachen, die Führung der Bürgerwehr durch Tuan de Uruloki sowie Währungsverluste aufgrund der betrügerischen Wechselkurse des Münzgiessers wird ein Betrag von 200 Tolar verlangt.

Kaum als Hauptmann der Stadtwache eingesetzt und vereidigt, wird Realdor auch sogleich von einem Assassinen beinahe umgebracht. Sein Wehklagen bringt sogleich die Hornsteiner Kräuterfrauen auf den Plan, welche sich vorzüglich um ihn kümmern. Ein gewisser Champion sorgt sich verdächtig heftig um das Wohlergehen des Hauptmanns. Dies von einem skrupellosen, kampfverrückten Tötungsspinner, der minderbewaffnete in sog. ?Gottesurteilen" umbringt und der auch Hauptmann der Stadtwache werden wollte. Seltsam.

Abend. Wir empfangen noch einen letzten Gast. Es handelt sich um einen sehr bleichen Herrn, der wohl aus Vergesslichkeit seinen Namen auf die Stirn geschrieben hat. Ohne weiteres merken wir deshalb, dass ein gewisser Herr Teschup vor uns sitzt. Sonderbarerweise raucht er nicht, will weder Tee noch Datteln, dafür aber ein Amulett sehen. Wie dem auch sei, der gute Mann scheint sehr an tikonischen Runenstäben interessiert. Vor allem die Anwendungsmöglichkeiten scheinen es ihm angetan zu haben, auf jeden Fall benimmt er sich so höflich, dass wir ihn nach einiger Zeit wieder hinauskomplementieren. Von nun an geistert er umher und reisst Leuten die Herzen raus, bindet sich an Bäume und klaut kleinen Kindern den Lolly. Sein Aufpasser, ein gewisser Bunnar, ist derweil weniger redseelig; könnte damit zu tun haben, dass sein Leben in Teschups Hand zu liegen scheint, da es sich hier wohl um einen Dæmon handelt. Angeblich sei dieser auf der Suche nach dem Bösen, um sterben zu können und wird uns alle (zumindest die Zinsheymer und ihre Stadt) mit in den Tod reissen. Doch nach einer guten Rosenpfeife, liegen solche Dinge in weiter Ferne und verlieren an Bedeutung.

Nacht. Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, fackelt Masam Sulfur bei seiner Ankunft die halbe Stadt ab. ?Aus Showgründen", wie er meint.

4. Tag
Die Spirale der Korruption dreht sich munter weiter in Zinsheym. Da hat doch tatsächlich jemand die Bürgermeisterwahl durch gefälschte Wahlzettel zu manipulieren versucht. Dies gibt dem Rat einen fadenscheinigen Grund, die klare Wahl gegen Bürgermeister Weber zu annullieren. Die auf den Abend angesetzte Ersatzwahl findet kurioserweise nicht mehr statt. Es muss hier jedoch festgehalten werden, dass wir von nun an keine Elfen mit Kapuzen mehr auf Reisen mitnehmen.

Der Münzgiesser sandet aus dem letzten Schuh. Voller Hilflosigkeit verkündet er öffentlich neue Kurse: 1 Tolar = 2 Ochsen , 1 Tolar = 3 Tuman!!! Unter dem Ansturm der Leute, welche bei ihm billige Tumans kaufen wollen, bricht sein Geschäft beinahe zusammen, zumindest das Zelt, in dem er dieses führt.

Wieder brennts. Diesmal ist es Masam Pulvurus, der sich selber ?Instant" Magier nennt, mit farbigen Pulvern hantiert und farbenblind ist! Akhran möge mich davor bewahren, jemals auf seine Hilfe angewiesen zu sein. Unser Zelt steht zum Glück noch.

Ibrahim und ich werden ein letztes Mal bei einem Ratsmitglied der Stadt vorstellig, um mitzuteilen, Zinsheym möge seine Schulden bei der Tikonischen Handelsdelegation doch bitte in Tumans, gewechselt nach dem aktuellen Kurs, auszahlen. Durch die 600 Tumans, die wir dadurch verdienen, können wir beruhigt und mit einem Gewinn von 200 Tumans wieder nach Tikon zurückkehren.

Wiederum zeigt sich, dass die Wahrheit sich nicht verbergen lässt. Dieses Mal wird sie sogleich vom Cer-Telurischen Herold ans Licht gezerrt. Demnach ist es tatsächlich so gewesen, dass der Bürgermeister und sein Sohn die Wahlzettel gefälscht und dann an ihre politischen Gegner verkauft haben. Da aber der von der Bürgermehrheit favorisierte Kandidat aus Angst vor Repressalien geflohen ist, befindet sich die Stadt in einem gefährlichen Schwebezustand. Jeder lauert auf jeden und alle scheinen zu denken, dass ausgerechnet wir harmlosen Dattelesser, Wasserpfeiffenraucher und Teetrinker die Macht an

Habib
uns reissen wollen. Somit wird beschlossen, der Stadt den Rücken zu kehren und lediglich ein Kontor zu hinterlassen. Auf jeden Fall solange, bis sich die Gemüter ein wenig abgekühlt haben. Einzig Realdor will in Zinsheym bleiben und sowohl als Hauptmann der Stadtwache als auch als vertretenden Leiter des Handelskontors amtieren.

Offensichtlich haben wir den jungen Edmund Weber unterschätzt. Er mag wohl politisch eine Null sein, doch beim Glückspiel hat er gewaltig abgeräumt. Sogar Habib und Mustapha haben ein kleines Vermögen an ihn verloren, doch scheint sie dies eher zu belustigen als zu grämen.

Himal

Nacht. Ganz Zinsheym feiert. Es ist mir nicht ganz klar, was genau die Bürger dieser von Orks, Vampyren, schlimmen Geschichten, Dæmonen und Riesenspinnen umzingelten Stadt so fröhlich stimmt. Ich für meinen Teil beschliesse die Karawane mit einem Besuch und Umtrunk bei der Gauklergilde.

Belobigung. Akhran hat uns wirklich zugelacht, als wir unsere Dienerin Fathme eingestellt haben. Nicht nur hat sie das Kontor in Schuss gehalten und immer ganz in unserem Sinne gehandelt, nein, sie hat auch standhaft sämtlichen Abwerbeversuchen getrotzt und dies trotz mässiger Bezahlung. Des weiteren scheint es mir, dass wir auch bei der Wahl unserer Wachleute ganze Arbeit geleistet haben. Sie haben sich immer furchtlos in den Kampf gestürzt (leider einmal zu oft in der ersten Reihe), auch mit nur einem halben Bein. Allein Himal muss sicher an die Dutzend Male verletzt und verbunden vor dem Kontor gelegen haben.



Geschrieben von GbO; zum letzten mal bearbeitet von GbO am 30 Nov 2002