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Ein tikonischer Besuch bei den Pir-O-Manen

Kapitel 70: Neujahresfest zum Jahr 32 nach Gründung Tikons


Der Dünen-Pouster berichtet über das Kapitel 70 der Tikonstory, im September 2000 bei Aarau


Bereits am Freitag Abend fand sich eine fröhliche Zahl geladener Gäste bei Scheich Haba Shebab Du-Can der Pir-O-Manen in seinem Palast auf dem Sandberg ein. Erstaunt nahm unser Korrespondent zur Kenntnis, dass sich das Protokoll sich auch die Unfreunlichkeit zukommen liess, den doppelzüngigen Goldhamster aus dem Kamelstall, den räudigen Schakal und Verräter Ex-Vezier Rereshqala einzuladen.
Der Scheich Haba Shebab Du-Can
Allerdings haben wir es der gütigen Tsuffàhl zu verdanken, dass der Bandwurm aus dem Sandkasten mit Magenkrämpfen darniederlag. An seiner Statt überbrachte die Wexxler Palastschranze Q'ahana bath Qasima, bastardische Halbschwester von Plenarch Varag Vetinari eine Grussbotschaft, die in Ihrer unverschämten Art alle Anwesenden mit Details seiner stickigen Krankengeschichte belästigte. Weiter war auch Q'ahanas Halbbruder selbst, der überaltete Varag Vetinari bei den Feiernden. Der Dünen-Pouster vermutet, dass der Plenarch der freien Oasenstadt an diesem neutralen Ort Verbindungem zum Freund aller Kinder Gloozi ben Noën, grossmütiger Verkünder der tikonischen Lottozahlen, knüpfen wollte. Allerdings verunmöglichte die überraschende Präsenz seiner zur Aufpasserin bestellten Schwester diese Friedensinitiative, so dass der Plenarch alsbald wieder abreiste. Übrigens deutete auch die Anwesenheit von Aressia, Fürstin von Wexxel auf diese Möglichkeit hin, denn schliesslich ist der Emporkömmling und Tintenkleckser Ghilean von Wexxel nur ihr gedungener Stellvertreter.
Die Care-Priesterin Shameira
Daneben verlief der Freitag Abend in trauter Minne und es kam zu keinen unbeabsichtigten Unterbrechungen. Der Samstag brachte zunächst die feierliche Einrichtung von verschiedenen Schreinen zu Ehren der tikonischen Gottheiten. Die ala-manischen Anhänger Mananans fanden eine viele hundert Jahre alte Eiche, welche sie zu einem heilbringenden Ritual verwendeten. Tschaanz und Tsuffàhl waren durch zwei mobile Schreine in Zelten anwesend. Ein wegweisender Zug des Scheichs war es, den doch nur Unruhe stiftenden Akhran-Anhängern keinen Schrein zu erlauben. Ein blaufahriges Wägelchen richtete die eigens zu diesem Zweck angereiste Care-Priesterin Shameira ein (Der Pouster berichtete von ihrer Weihe). Allerdings, als es dann zum Umgang zu den verschiedenen Schreinen kommen sollte, war Shameira unauffindbar, was zu einiger Verwirrung führte. Nicht zuletzt dann, als sie mitten in der Prozession mit eiligen Schritten aus dem Wald herunterlief und ohne ein Wort zu verlieren im Palast verschwand.

Ansonsten erstrahlte der Besuch der Schreine aber in vollem tikonischem Glanz, denn die Sonne an bewölkten Tagen, der Erfinder der Rechtschreibung, unser aller Regent Gloozi beehrte den Sandberg mit seiner huldvollen Präsenz. Sofort kam Leben in die eher gemütlichen Gäste und ein jeder machte unserem Leuchtturm seine Aufwartung. Dann wandte sich Gloozi den Schreinen zu, wohin der Scheich ihm folgte. Massam Gugul ben Osram inszenierte dabei ein Ritual, das von Gloozi schon länger gewünscht wurde. Denn was auch verschiedenen Holzschnittherstellern und palastlichen Porträtmalern schon länger aufgefallen war, ist nämlich die Tatsache, dass die Wangen unseres Regenten doch etwas fahl wurden, und seine Augen das uns vertraute Licht vermissen liessen. Deshalb hielt es der umsichtige Führer für angezeigt, sich von Massam Gugul in einem Ritual seine Jugend zurückgeben zu lassen.

Zu aller Erstaunen zog sich der Regent aber alsbald mit schmerzverzerrtem Gesicht in seine eiligst hergerichteten Gemächer zurück, wo er von seiner Garde bewacht wurde. Alsbald liess er die Care-Priesterin Shameira zu sich rufen, welche ihm einen Ihrer Heiltränke einflösste.

Der Regent mit seiner rechten Hand Anaiis
Aber selbst diese Behandlung führte eher zu einer Verschlimmerung seines Zustandes, was den ganzen Pir-O-Manischen Hof in helle Aufregung versetzte. Der Scheich liess bereits nach den besten Ärzten aus ganz Tikon schicken, als sich der Gesundheitszustand von Gloozi sich merklich verbesserte und man sich zuraunte, der Regent sei zu seiner überschwenglichen Frische zurückgekehrt und bespreche mit seiner Strategin und Traubenreicherin Annaiis einen Feldzug nach Dracconia, der alsbald gestartet werden sollte. Darauf erging aber der Ruf aus den Gemächern, Gloozi wünsche Apfelmus zu speisen und zwar in jener Art, wie es ihm als Kind seine Mutter zubereitete. Das brachte die Küche doch in einige Bedrängnis (Gloozis Mutter gehörte nicht zur Mannschaft) und es dauerte zwei, drei Stunden, bis der Brei bereitet war. In der Zwischenzeit kam es zu einiger Aufregung, als sich die unflätigen Begleiter der Kameltreiberin Q'ahana der Meharireiter Sajiadhin und der Zeltknecht Habib gegenseitig des Falschspiels bezichtigten und es zu einer mittleren Rauferei kam. Kaum war das vorüber, platzten zwei erstaunlich zielstrebige Tsuffàhlpriester in die geladene Gästeschar, die verkündeten, eine Kiste zu vergeben zu haben.

Sie veranstalteten mehrere Orakeldurchgänge und Befragungen Ihrer Gottheit, als fünf Vermummte hereinstürmten und die Händlerin Kimere von Kythera enführten. Sofort nahm die Palastwache die Verfolgung auf; assistiert durch Massam Gugul.

Brachte die Entführer zur Strecke: Massam Gugul
Tschaanz war den Verfolgern freundlich und sie brachten alle bis auf den Anführer zur Strecke. Das Opfer konnte unverletzt zurückgebracht werden, und die Befragung einer gefangenen Entführerin ergab, dass sie von der Familie der Händlerin gedungen waren, sie zu Ihrer Hochzeit zurückzubringen. Es war nämlich so, dass sie von ihrer Familie gezwungen wurde, einen alten zahnlosen Greis zu ehelichen, was sie vom heimischen Herd vertrieben hatte, um diesem Zwang zu entkommen. Inzwischen hatten die Tsuffàhlis ihre Kiste an den Mann gebracht: an den aus Tikon angereisten Tarcis Grippenberger, der die genüsslich speisenden Gäste für einmal nicht mit seiner berühmten Hechtklösschensuppe, sondern mit allerlei Kuchen und Wähen erfreute.

Dann spielten die Musiker auf und die ausgelassene Stimmung ergriff die im Festsaal Prominenz. Man tanzte frenetisch oder sah den Bauchtanzvorführungen zu, welche von mehreren Damen geboten wurden. Dann hatte der bekannte Verleger Ulli-Yugulli mit seinem Tier einen Auftritt, was zu erschreckenden Szenen führte, als die Bestie sich ihrem tanzenden Halter entriss und sich auf die Tsuffàhl-Priesterin warf. Den Abschluss des fröhlichen Neujahresfestes markierten der Trommler Rasa und der Kameltreiber Habib, die sich ein Duell lieferten, wer lauter und länger zu spielen vermöchte. Der Wettbewerb ging unentschieden aus, da sich die meisten Gäste die Ohren zuhielten.


Eiligst und noch vor Ort berichtete unser Sonderkorrespondent Ai Tuchmenach von den Ereignissen.

Geschrieben von folini; zum letzten mal bearbeitet von GbO am 30 Nov 2002