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Pfeiffer Einauge berichtet vom

Kapitel 64: Am Hof des Vogtes Sirk al Semesh


Ein Spielbericht über die Vogtei Tos aus dem Jahre 31. G.T., Februar 2000


Der Zufall war es, der mich in diese verworrene Geschichte hineinstürzen liess.

Gemächlich durch die Gegend wandernd, auf der Suche nach Unterkunft und Verpflegung, kam es, dass ich mich überrascht einer Bande aus Wegelegerern gegenüberstand. Die Gauner, wahrhaft tumbe Burschen, glaubten bei mir irgendwelche Reichtümer zu finden. Wobei sie natürlich wahrhaft falsch lagen. Selbstverständlich. Wie Zufall es wollte kam zur gleichen Zeit Tuan de Uruloki mit seinem Gefolge des Weges. Sein starker Arm trennte mit einem Schlag drei Köpfe von den Körpern ihrer Besitzer, auch die überigen fielen schnell, und so fand ich mich im Gefolge des Kriegers.
Der Weg führte uns zur Residenz des Vogtes Sirk al Semesh, Verwalter des Flusstales Tôs. Der Abend war schon fortgeschritten, als wir endlich eintreffen. Schon viele Krüge waren geleert, viele Schritte getan, als ich mich endlich in den Hallen des Vogtes umsehen konnte. Allerlei Gevölk tummelte sich in den Hallen; Druiden, Priester, Soldaten, Gelehrte, ja sogar ein paar wahrhaftig elfisch elvische Elben. Eine unangenehme Begegnung machte ich mit zwei Priestern der launischen Göttin Tsuffahl; sie wollten mich eine Treppe hinaufwerfen. Nur durch viel Glück (war Tsuffahl mir gnädig?) konnte ich den hinterhältigen Meuchlern entkommen. Während viele vergebens auf das Erscheinen des Hausherren warteten wurde das Abendessen serviert. Wahrhaft schmackhaft war dieses; aller Warnungen zum Trotze konnt ich an diesem Abend ein vorzügliches Festmahl geniessen, auf welches ich mit Bedauern zurückschaue. In meinem Wast hatte es keinen Platz mehr, so musste ich viel von diesen Speisen zurücklassen.
Nun denn, so verging der Abend und irgendwann vernahm ich das Gerücht, der Vogt sei vergiftet worden. Wahrlich bedenklich, hatte der Medicus des selben doch vorher verkündet, der Vogt sei erkrankt und lasse sich entschuldigen. Dieses Gerücht verstummen den ganzen Abend nicht, und kursierte selbst dann noch, als ich mich erschöpft zu Bette legte.

Der nächste Morgen

Lange genoss ich den Schlaf und stand erst auf, als die Sonne schon weit über dem Horizont stand. Wenn man sie denn gesehen hätte, denn der Himmel war von Wolken bedeckt und liess auf blauen Himmel nur ahnen.
Schon bald nach dem Frühstück liess sich dann endlich auch der vielerwartete Vogt blicken. Anscheinend nun doch kein Gift. Nach einer sehr feuchten Ansprache im Regen hielt er dann auch die ersten Audienzen ab. Politik, man kennt das ja.
Nun, die Zeit verging und endlich sprach der Vogt dann auch ein paar Worte mehr mit dem gemeinen Volk. Doch seine sehr schöne Rede wurde leider von Tuan de Uruloki unterbrochen, der einen äusserst unschicklichen Streit mit seinem Gastgeber anfing. Ich konnte nicht anders und musste meinem Gastgeber zur Seite stehen, was mir allerdings ein paar zornige Blicke Seitens Tuans einbrachte, und mir die Hoffnung nahm, dass er mir auch das nächste Mal im Kampf gegen Diebe beistehen würde.
Nun denn, Tuan entfernte sich und der Vogt hielt seine Rede. Anschliessend wurden wir mit der Offenbarung überrascht, dass man nun, um der Vogtei einen von allem schlechten geläuterten Vogt anhinstellen könne, ein uraltes Ritual vollführen werde. Dazu wurden die Gäste, abermals, in den Regen gestellt. Nach einer feucht-fröhlichen Wanderung durch die regnerischen Wälder des Tôs-Tales, bei der ich mir die eine oder andere Erkältung zuzog, verlor ich dann endgültig den Überblick. Tuan, Vogt al Semesh und ihre Wachen standen dort und unterhielten sich in trauter Zweisamkeit, wobei man den Rest der trauten Gesellschaft des Diebstahls. Nach einer hitzigen Diskussion, die nichts als gegenseitige Beschuldigung hervorbrachte und beinahe in einem Gefecht geendet hätte, beschloss man
dann, zurück zur Residenz zu gehen. Zu spät, wie sich zum Entsetzen aller herausstellte; ich hatte schon einen Schnupfen.

Aller Zwist schien vergessen, nachdem man dann am Abend ein hervorragendes Mahl genossen hatte. Doch schon zeigten sich wieder dunkle Wolken am Horizont: das Gerücht über einen Dämon ging um, der uns alle vernichten würde; andere Gerüchte wiederum sprachen von Gift im Essen. Und als dann nun der Elf Asl Schattenwind eine düstere Geschichte über eben diesen Dämon erzählte und berichtete, dass dieser sich angeblich durch eine schwarze Markierung im Nackenbereich zeigte, war das Chaos komplett. Keiner ttraute mehr dem anderen, und schon nach kurzer Zeit schien es zum guten Ton zu gehören, dass man sich zuerst den blanken Nacken zeigte. Den unzähligen verschiedenen Göttern sei Dank, das doch nichts dergleiches Geschah; der Dämon glänzte durch Abwesenheit und bis zum Abend passierte, ausser ein paar kleineren Ärgernissen, nichts Ausergewöhnliches.
Bis alle tapferen Recken schon schliefen und nur noch ein paar der trinkfesteren jüngeren Gesellen sich in der Halle aufhielten. Da ereignete es sich nämlich, dass eine Bande von wahrlich hässlichen Räubern es wagten, die Residenz anzugreifen. Der Vogt verwies sie jedoch sofort in ihre Schranken, indem er sich in seiner Schreibstube verbarikadierte und die Türe mit einem Tisch blokierte. Auch die Wachen bewiesen wahren Heldenmut, indem sie die Schurken zuerst diplomatisch übersahen, und erst nachdem diese wahrlich penetrant mit ihren Schwertern herumzufuchteln begannen, selber auch die Schwerter zogen. Das nachfolgende Gefecht kostete mich mein rechtes Auge, war sonst aber recht ereignislos. Die Wachen bewiesen wieder wahre Kühnheit, indem sie sich angesichts der Überzahl der Räuber in die engen Gänge der Residenz zurückzogen, leider wurde diese brilliante Taktik zerstört von einem unüberlegen Blumenhändler namens Ignazius, der einen wahrhaft törichten Ausfall machte. Er erlag dann auch seiner gerechten Strafe, als er schwer verwundet wurde und selbst nur sechs dieser garstigen Kerle erledigt hatte. Er wurde dann in die Folterkammer gebracht, wo er vom Medikus des Vogtes mittels neuer Heilmittel von seinen Schmerzen befreit wurde; er hängte den Blumenhändler auf.
Nun, der Scherz ging auf Kosten des Medikus, der daraufhin einem sehr unglücklichen Vogt
gegenüberstand; schliesslich war Ingnazius noch immer Gast des Hauses. So wurde kurzerhand ein Kopfgeld auf den Medicus ausgestellt, dass jedoch niemand kassieren konnte, da, wie sich herausstellte, der Medicus die schnellsten Beine hatte.
Nach diesen Ereignissen legte ich mich mit einem schmerzenden Auge nieder und schlief bis in den frühen Morgen. Zudem fasste ich den Entschluss, mich von nun an 'Pfeifer Einauge' zu nennen.

Erneuter Aufbruch.

Rasch hatte ich am nächsten Morgen meine Sachen gepackt, und brach gegen Mittag in richtung Osten auf. Die Zukunft brachte Neues.

Jesomehr ward ein ganz anderer Eindruck zu dieser Begebenheit sich hier zu finden.


Geschrieben von pfeifer; zum letzten mal bearbeitet von seegras am 30 Nov 2002